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PFAD FÜR KINDER Pflege- und Adoptivfamilien im Landkreis Neustadt a. d. Aisch – Bad
Windsheim e.V. (NEA) – und seine Historie

Erste Impulse
Kinder brauchen Familie – Familien wünschen sich Kinder. Nicht immer finden die persönlichen
Wünsche Erfüllung. So auch bei Familie M. Doch im Jahr 1971 veränderte sich deren
familiäre Situation. Zu ihrem leiblichen Sohn gesellten sich eine damals siebenjährige Adoptivtochter
und wenig später ein elf Monate altes Pflegekind. In die anfängliche Freude mischten
sich nach und nach bohrende Fragen, denn schließlich waren Frau und Herr M. keine „geborenen“
Adoptiv- und Pflegeeltern.
Das Diakonische Werk lud das Ehepaar M. und eine Reihe anderer Adoptiveltern zu jährlichen
Treffen nach Nürnberg ein. Manche Antwort wurde auf „brennende“ Fragestellungen
gefunden – vieles blieb jedoch offen. Dem allgemeinen Wunsch nach häufigeren Treffen
konnte nicht entsprochen werden. „Wir schaffen das zeitlich nicht!“, war die Antwort der
Fachkräfte. „Bemühen Sie sich doch um Treffs in Ihrer Nähe. Gleichermaßen Betroffene
können sich in der Bewältigung der vielfältigen Alltagsfragen als Selbsthilfegruppe gut beistehen.“
Die Keimzelle im Landkreis
Adoptiveltern blieben zumeist anonym und unter sich, das Pflegekinderwesen steckte noch in
den Kinderschuhen. Die Überlegung zur Gründung eines Pflege- und Adoptivelternkreises
besprach Familie M. mit ihr bekannten Familien, die auch Pflegekinder hatten. Von von den
anderen Familien?) erfuhren sie die geltenden gesetzlichen Maßgaben. „Kontrollbesuche in
den Familien führen Mitarbeiter des Gesundheitsamtes aus“ sagte man ihnen. Für alles andere
ist das Jugendamt zuständig. Das Anliegen von Familie M. traf bei Herrn Eder, dem damaligen
Jugendamtsleiter, auf offene Ohren und viel Verständnis . Er schrieb Pflegeeltern an und
machte sie auf das Vorhaben, einen Initiativkreis zu gründen, aufmerksam.
Vom Wohnzimmer in einen Gruppenraum
Zunächst waren es nur wenige. Die Treffs fanden reihum in Wohnzimmern statt. Es tat gut,
sich aussprechen zu können, jeder verstand den anderen. Zwar wurden die gemeinsamen
Probleme dadurch nicht kleiner, aber sie waren leichter zu (er-)tragen. Ernst der Arbeit und
Freude beim Feiern können für Eltern und Kinder gleichermaßen den Alltag ertäglicher gestalten.
Was lag näher, als sich vor der Sommerpause zum sog. „Pflegeelterngrillen“ zu treffen.
Anfänglich war es eine Garage, die den Unbilden der Witterung trotzte, später ein Zelt im
Garten der evangelischen Kirche in Markt Bibart. Liebe Gäste waren dabei Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen des Jugendamtes und später auch der Beratungsstelle für Erziehungs- und
Lebensfragen (kurz: EB)
Veränderungen in der Jugendhilfelandschaft, wie z. B. erhöhte Anforderungen an die Erziehungsfähigkeit
von Pflegeeltern, trugen dazu bei, dass sich die Teilnehmerzahl der monatlichen
Treffs stetig vergrößerte. So wurde schon in einer Sitzung des Jugendwohlfahrts-(heute
Jugendhilfe-)Ausschusses im November 1976 auf den seit 5 Jahren hilfreich tätigen Initiativkreis
hingewiesen. Zusätzliche Impulse, sich dem Initiativkreis anzuschließen, brachte die
Einrichtung der EB im Jahr 1977. Durch deren Arbeit mit Familien sowie bei Fortbildungen
und Wochenendseminaren für Adoptiv- und Pflegeeltern stieg der Bekanntheitsgrad des Initiativkreises
landkreisweit, vor allem auch, weil die Gespräche in dieser Selbsthilfegruppe als
ergänzende Unterstützung empfohlen wurden.
Die Intimität von Wohnzimmergesprächen fand bald ihre Grenzen in der stetig wachsenden
Teilnehmerzahl. Wer hat schon Platz für 15 oder mehr Personen? Und die Kinder der einladenden
Familie hatten zudem häufig „lange Ohren“. Das Zu-Bett-Gehen wurde meist mit
allen zur Verfügung stehenden Argumenten verzögert.
Ein Ausweichen in Nebenräume von Gastwirtschaften erschien den Teilnehmern als nicht
erstrebenswert. Die Gesprächsthemen waren oft brisant und nicht für „öffentliche Ohren“
bestimmt. Ehernes Gesetz des Initiativkreises: Was im Kreis besprochen wird, geht nicht nach
außen! So nahmen alle das Angebot der evangelischen Kirchengemeinde von Markt Bibart
zu einer Nutzung des Gemeinderaums gerne an. Schließlich lag dieser Raum fast zentral für
den Flächenlandkreis NEA.
Die ACTUELL
„Gemeinsam kommen wir weiter“, so die einhellige Meinung im Initiativkreis. Warum sollten
nicht alle Pflegefamilien des Landkreises von Erkenntnissen und Erfahrungen der Treffen
profitieren können? Im April 1981 war es dann so weit. In zweimonatigem Rhythmus erschien
die Zeitschrift ACTUELL . Die Inhalte rankten sich um die Themen Recht, Erziehung,
Information über Aktionen zum Adoptiv- und Pflegekinderwesen im Landkreis, einen Terminkalender
und last, not least einen unterhaltenden Teil. Sowohl der damalige Landrat Pfeifer
als auch Jugendamtsleiter Eder und der Jugendwohlfahrtsausschuss unterstützten diese Art
der Information für Pflege- und Adoptivfamilien. Die Versandkosten trug der Landkreis. Ein
kleiner Rückblick sei gestattet. Damals standen weder WORD, Publisher oder eines der im
Jahr 2009 verfügbaren DTP-Programme zur Verfügung. Schreibmaschine, Tipp-Ex und
sonstige Korrekturhilfen mussten ein (möglichst) fehlerfreies Layout bewerkstelligen.
Einen nicht zu unterschätzenden Anschub leistete die ACTUELL für die Initiierung eines
Mitgliederrundbriefes des Landesverbandes PFAD FÜR KINDER, der in die vierteljährlich
erscheinende Mitgliederzeitschrift PFAD AKTUELL mündete.
Der Erfahrungsschatz des Initiativkreises trägt Früchte
Mitglieder des Initiativkreises und die Verantwortlichen im Jugendamt pflegten von Anfang
an konstruktiven Gedankenaustausch. Selbstverständlich blieb es nicht aus, dass auch unterschiedliche
Sichtweisen zu Problemstellungen diskutiert wurden. Das gemeinsame Ringen
um Lösungen war jedoch stets getragen von beiderseitigem Verständnis für den Partner.
Der Blick über den Tellerrand des Landkreises hinaus brachte weitere Impulse. 1987 erfolgte
die Gründung des Landesverbandes der Pflege- und Adoptiveltern in Bayern e.V., an der neben
Mitgliedern des Initiativkreises weitere Pflege- und Adoptivelterngruppierungen sowie
Einzelpersonen aus ganz Bayern mitwirkten. Durch die Mitarbeit im Vorstand des Landesverbandes
konnten Informationen, Erkenntnisse und Erfahrungen auf Landesebene in die
örtliche Arbeit einfließen.
Derart fundiertes Wissen im Bereich des Pflegekinderwesens sollte nach den Überlegungen
der Verantwortlichen im Landkreis auch dem Jugendhilfeausschuss zur Verfügung stehen.
Die Berufung eines stimmberechtigten Mitgliedes des Initiativkreises in dieses Gremium fand
1989 statt.
Der Zwang der Verhältnisse und gesetzliche Vorgaben des 1991 in Kraft getretenen Kinderund
Jugendhilfegesetzes ließen im Landkreis NEA einen Arbeitskreis zur Jugendhilfeplanung
des Landkreises entstehen. Auch hier war der Initiativkreis Mitglied. Mehrere Jahre vergingen.
Im Protokoll der Sitzung vom 03.05.1995 ist zu lesen: "Das Leistungsangebot des Jugendamtes
bedarf einer Erweiterung im Bereich zwischen den traditionellen Pflegestellen und
der Heimerziehung durch neue Formen der Jugendhilfe." Auch war man sich einig: „Eine
Bündelung der Praxiserfahrungen von MitarbeiterInnen des Jugendamtes sowie der EB und
Mitgliedern des Initiativkreises ist unabdinglich. Schließlich soll sich das zu Erarbeitende
bestmöglich am Bedarf von Kindern und ihren Familien orientieren.“
Vom Initiativkreis zum eingetragenen Verein
Nach dem Subsidiaritätsprinzip sollen, wo immer sinnvoll, Aufgaben der Jugendhilfe an freie
Träger übertragen werden. Das Diakonische Werk Neustadt, Träger der EB, sah sich auf
Grund seiner personellen Situation nicht in der Lage, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen.
So erging die Bitte an den Initiativkreis, die Entwicklung von alternativen Betreuungsformen
in Pflegefamilien federführend zu übernehmen. Großzügige Hilfe wurde zugesagt. Allerdings
sei der Vereinsstatus eine der Grundvoraussetzungen.
Gründliche Überlegungen und das Abwägen von Für und Wider im Initiativkreis schlossen
sich an. Rechtliche, wie auch finanzielle Aspekte führten zum Entschluss: Wir übernehmen
die Aufgabe und benötigen dafür einen eingetragenen Verein. Acht Mitglieder des Initiativkreises
gründeten am 28. März 1995 den Verein PFAD FÜR KINDER, Pflege- und Adoptivfamilien
in Landkreis Neustadt a.d. Aisch – Bad Windsheim e.V. (kurz PFAD-NEA). Die
Gemeinnützigkeit der Vereinstätigkeit wurde bereits am 04.05.1995 vom Finanzamt Ansbach
anerkannt und in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses vom 03.07.1995 erfolgte in einstimmigem
Beschluss die Anerkennung als freier Träger der Jugendhilfe.
PFAD-NEA als Arbeitgeber
In der Sitzung vom Juli 1995 erhielt PFAD-NEA auch die Zusage des Arbeitsamtes über
großzügige ABM-Förderung für eine Fachkraft auf drei Jahre und eine Bürokraft auf zwei
Jahre. Bereits im Herbst 1995 begannen beide ihre Arbeit. Während die Bürokraft sich in allgemeine
Tätigkeiten des Vereins einarbeitete, begann die Diplom-Soziologin unverzüglich,
am „Modell Familienpflege für besonders entwicklungsbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche“
zu arbeiten. Sie koordinierte dabei u.a. die gemeinsamen Überlegungen von Jugendamt,
EB und PFAD-NEA. Nach zwei Jahren endete vertragsgemäß die Beschäftigung der Bürokraft.
Die Diplom-Soziologin hingegen konnte im Anschluss an die AB-Maßnahme durch
Erweiterung ihres Aufgabengebietes über den Landkreis hinaus, z.B. als Erziehungsbeistand,
in der Besuchsbegleitung, sowie als Referentin bei den Sonderpflegeseminaren beschäftigt
werden. 2002 setzte ihre Erkrankung nach insgesamt acht Jahren ihrer Tätigkeit für den Verein
bedauerlicherweise ein Ende.
Die Arbeit von PFAD-NEA zieht Kreise
Das Pilotseminar zum o. g. Modell, an dem fünf Familien mit unterschiedlichen Vorkenntnissen
teilnahmen, fand von Januar bis Mai 1997 statt. Eine konstruktiv-kritische Auswertung
dieses Seminardurchlaufs zog eine Reihe von Anstößen für Weiterentwicklungen im Pflegekinderwesen
sowohl auf regionaler Ebene, als auch bayernweit nach sich. Als Beispiele der
Mitwirkung von Vereinsmitgliedern seien genannt: Werbung von Pflegefamilien auf örtlicher
Ebene, Jugendhilfeplanung mit praktischen und statistischen Elementen, Organisation und
Durchführung von Vorbereitungsseminaren für Pflegebewerber des Landkreises, Vorstandstätigkeit
im Landesverband PFAD FÜR KINDER, Mittelgewinnung bei der bayer. Sparkassenstiftung
zur Verbreitung des Modells auf Landesebene, Durchführung und Modifizierung des
Modells in Nord- und Niederbayern, die „Arbeitshilfe für die Praxis der Jugendhilfe – Vollzeitpflege“
im Bayer. Landesjugendamt, Gründung der „Stiftung PFAD FÜR KINDER“
Der Generationenwechsel
Die ersten Schritte von der Initiierung eines Initiativkreises im Jahr 1971 bis zum Stand der
Jugendhilfe im Jahr 2003 waren begleitet von ständigen Anpassungsnotwendigkeiten. Doch
alles hat seine Zeit – somit auch die Übergabe verantwortlicher Tätigkeiten in Initiativkreis
und Verein. Im Zusammenhang mit der turnusgemäßen Mitgliederversammlung von PFADNEA
im Frühjahr 2003 wurde dieser Wechsel offiziell vollzogen. Der dabei ausgesprochene
Dank an die langjährigen Wegbegleiter ging über in die Formulierung der festen Absicht
auch weiterhin die ehrenamtliche Arbeit in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen und sich
hierbei insbesondere für Adoptiv- und Pflegefamilien einzusetzen.


PfadNEA greift immer wieder gerne
auf deinen Erfahrungsschatz zurück.


Johann´s Rückblick